Die Wirklichkeit

Delfin Wahrnehmung

Es gibt nur eine individuelle Wirklichkeit. In ihr wird akzeptiert was wirkt. Eine Wirkung wird als Vorschlag aus der strukturierten Welt der anderen Menschen angenommen, in den meisten Fällen aus der Umgebung der eigenen Kultur. Der Zusammenhang zwischen einer Ursache und einer Wirkung kann in vielen Fällen der modernen Kultur akzeptiert, aber nicht mehr selbst überprüft werden. Die Zerstückelung der Welt in separate Teile lässt nur noch ein Vertrauen in die Überbringer der Wirklichkeit zu, die eigene Erfahrung begrenzt sich auf die Zusammensetzung der Wirklichkeiten in der eigenen Struktur der Welt.

Das eigene Bild der Welt ist die ganze Welt, von der ein Teil mit menschlicher Ordnung versehen ist. Das Bild der Welt ändert sich mit neuen Ereignissen, mit neuen Entscheidungen, mit dem Auftreten neuer Mitspieler und neuen Randbedingungen. Es gibt keine ganze Welt, die hinter allen Bildern steht und die nur noch nicht strukturiert ist. Der Mensch entreißt seiner ganzen Welt nach und nach mit jeder Entscheidung und Akzeptanz von Ursachen und Wirkungen die Ganzheit und packt Teile davon in begrenzte Subsysteme. Innerhalb der jeweiligen Grenzen gelten die Regeln einer konventionellen menschlichen Struktur. Außerhalb der Grenzen liegen die kreativen Möglichkeiten in denen die natürlichen Ordnungen wirken, die vom menschlichen Verstand noch unerreicht sind.

Die kreativen Möglichkeiten sind vom Gefühl erreichbar. In manchen Zusammenhängen oder Kommunikationen wird der unendliche Urgrund der menschlichen Welt auch die "Seele" genannt. Beide Eigenschaften finden sich in der individuellen Welt wieder.

Jede Welt hat also einen kreativen Teil der natürlichen Ordnung und einen konventionellen Teil der von den Wesen auf einfache Zusammenhänge reduzierten Strukturbausteine.[1]

Jedes Wesen hat in seinem Bild der Welt einen strukturierten, begrenzten Teil, in dem die Möglichkeiten festgelegt sind, die Ursachen und Wirkungen akzeptiert, die Konventionen verabredet, die Kommunikationswege geebnet und die Rollen verteilt sind. Der strukturierte Teil der Welt hat einen Beginn und ein Ende. Die Zeit und der Raum sind strukturiert und alle Aktionen innerhalb der Struktur haben ein messbares und wahrnehmbares Ergebnis. Viele Eigenschaften, Ursachen und Wirkungen aus der Unendlichkeit der kreativen Weltteile werden gemessen, bewertet und verendlicht.

Das Raumgefühl wird in die Dimensionen des Raumes strukturiert. Das Zeitgefühl wird in die Uhrzeit gepresst. Die Energie oder die Kraft des Menschen wird in Kilowatt, Pferdestärken oder Joule gemessen. Die Freiheit wird als Freiheit innerhalb von Grenzen interpretiert. Einige Gefühle entziehen sich der Quantifizierung. Die Seele ist ein sehr abstrakter Begriff mit vielen Deutungen und keinem Ansatz zur Strukturierung, Begrenzung, Lokalisierung, Bewertung oder Einteilung.

Der kreative Teil der Welt ist die Welt der natürlichen Ordnung. Der kreative Teil der Welt ist ohne Regeln, und aus diesem unerschöpflichen Potenzial zeigt er dem konventionellen Teil neue Regeln, eröffnet neue Möglichkeiten. Die natürliche Ordnung ist unendlich.

Die menschliche Wirklichkeit ist endlich, sie wird verabredet.

[Der vollständige Text ist im Anhang als "Die Wirklichkeit" und kann heruntergeladen werden.]


[1] Finite and Infinite Games, James P. Carse beschreibt diese Teile als zwei Arten von Spielen: finite Spiele, deren Zweck darin besteht, das Spiel zu gewinnen und infinite Spiele, deren Zweck darin besteht, das Spiel am Laufen zu halten.

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