Stärke in Schamanischer Hilfe

Stärke in schamanischer Hilfe

In der menschlichen Ordnung der Verstandeskultur ist die Macht vorherrschend, die Teilsysteme gegeneinander abgrenzt und verteidigt. Die Macht grenzt auch die menschliche Ordnung gegen die Natur ab. Macht ist endlich und hütet die Quantitäten. Die Quantitäten der Welt (Reichtum, Macht, Eigentum, Energieträger, Masse, Speisen, Werkzeuge, Raum,...) erkennen wir daran, dass sie endlich sind und bei der Teilung abnehmen. Teilt man die Macht, haben anschließend alle Machthaber weniger davon.

Die natürliche Ordnung ist als das stärkere System die Umgebung des Machtsystems. In der Natur wird die Stärke geteilt, das Prinzip ist die Synergie. Die Natur gibt ohne zu verlieren, damit jeder mehr der unendlichen Möglichkeiten und der Qualitäten hat. Die Qualitäten sind unendlich (Liebe, Ehre, Gefühle, Schönheit, Hass, Kummer, Neid, Großzügigkeit, Glück, Frieden, Stärke,...) und wir erkennen sie wie die Unendlichkeit daran, dass alle Partner mehr haben, wenn man zum Beispiel die Stärke oder die Liebe teilt.

In der schamanischen Hilfe wird die Stärke geteilt. Die Natur teilt die Stärke in einer Synergie. Danach haben alle mehr von der Stärke. Die natürliche Ordnung schafft neue Potenziale in der Umgebung des Menschen. Die schamanische Arbeit weist auf die Potenziale hin und hilft, sie in der Umgebung des Hilfesuchenden aufzustellen. In der schamanischen Arbeit umgeben wir denjenigen der es braucht mit der Stärke der Spirits, die gleichbedeutend mit der Stärke der Natur ist.

Der Gefangene der menschlichen Ordnung hat nicht den notwendigen Zugang zu der natürlichen Ordnung und ihren Möglichkeiten.[1] Vielfältige Barrieren machen die menschliche Ordnung undurchlässig und versperren den Weg in die fundamentale natürliche Ordnung mit ihren kreativen Möglichkeiten. Die Verstandeskultur hält den Menschen in den Normen, Erwartungen und Bewertungen der Gesellschaft gefangen und er traut sich die Schritte aus der Struktur nicht zu gehen. Die menschliche Ordnung verspricht Sicherheit, die natürliche Ordnung offeriert Möglichkeiten.

Häufig liegen die Ursachen einer Krankheit weit zurück bis in die Kindheit. Irgendwo auf dem Weg ist ein Stück Liebe und Vertrauen verloren gegangen und wurde von der Angst isoliert.[2] Die Angst ist der Bewacher der Freiheit oder des Zugangs zu den unbegrenzten Möglichkeiten der Natur. In der Natur liegen die unendlichen Gefühle, die Stärke und der Anschluss an die unendliche Liebe.

Der Zugang zur natürlichen Ordnung mit der unendlichen Kreativität wird durch Erziehung in Gesellschaft und Kultur versperrt.[3] Krankheiten werden als besonders schlimm bewertet, wenn man bestimmte Funktionen nicht ausüben kann und bestimmte Erwartungen nicht erfüllt. Das gilt auch anders herum: Funktionsstörungen werden im Hinblick auf eine Aufgabe als Krankheiten bezeichnet. Das kulturelle Paradigma der westlichen, technischen Kultur ist die Macht und der Wille.[4] Wie über andere Wesen und über die Natur kann man auch über seinen Körper Macht ausüben und ihn zwingen oder in die rechte Funktion operieren. Das ist die erste Stufe der konventionellen Krankheitsbekämpfung: die Beseitigung der Symptome. Dabei werden oft andere Signale (Wirkungen) hervorgerufen.

Nun führen die Signale nicht zwingend zu einem Leiden, wenn man den Signalen Aufmerksamkeit schenkt. Migräne kann mit Ruhe gelindert werden, Durst mit Trinken, Verkrampfung mit Training, Schlafstörungen mit autogenem Training, usw. Das Leiden kommt erst mit dem Willen ins Spiel. Versucht man, gegen die Signale der Seele anzukämpfen, dann leidet man. Man leidet nicht im direkten Sinne unter der Krankheit, sondern unter der Funktionsunfähigkeit im Hinblick auf die Erwartungen der Ratio, des Willens.

Das Leiden ist also unabhängig von den Symptomen. Das vergebliche Bemühen in die Freizone der Gesundheit zurückzukehren, bringt das Leiden mit sich. Wirft die Ratio sich der Rückkehr in den Weg, um eine Änderung der Pläne, der Struktur, der Aktionen zum Ziel und der Anerkennung in der Gesellschaft, den Verlust einer Rolle zu verhindern, leidet der Mensch. Die Ratio, der Wille, die konventionelle Denkweise und das Festhalten in der Struktur ist der Weg in das Leiden. Dabei ist Willensstärke doch eine angesehene Tugend in einer Gesellschaft, deren Mitglieder ihr Ego von der unendlichen Natur abgekoppelt haben.

[Der Text ist zum Download angehängt.]

Weiter mit der Sicht auf den eigenen Willen


[1] s. zur Diskussion der menschlichen und natürlichen Ordnung das entsprechende Kapitel.

[2] In der schamanischen Arbeit spricht man davon, dass ein Seelenteil verloren oder verborgen wurde.

[3] Das Bild des Kreativen und Konventionellen habe ich in einem eigenen Text dazu ausgemalt.

[4] s. das Kapitel über Macht und Stärke.

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