Die schamanische Reise

Die schamanische Reise 

Der Hauptinhalt der schamanischen Arbeit sind die Reisen. Zum Verständnis sei deshalb kurz der Ablauf der Reisen erklärt. Eine Reise hat eine Intention, eine Frage oder eine Bitte um Hilfe. Die Mission wird aufgeschrieben. Mit den Rasseln, Trommeln oder Singen ruft man die Spirits an und bittet sie die Reise zu begleiten. Man nimmt eine bequeme Position ein. Dann setzt die Trommel ein, die einen monotonen Schlag von 4 Hertz für rd. 20 Minuten spielt. Man wiederholt die Mission für sich selbst und für die Spirits.

Für die Reise geht man in den vierten Zustand, wie ihn die Rishis (indische Gelehrte) bezeichnen. Er liegt zwischen Schlafen, Wachen und Träumen. Man nutzt in der Entspannungsphase eine Lücke kurz nach dem Wachen, vor dem Schlafen, in der man in die schamanische Welt absteigt. Abgesehen von der anderen Technik des Reisens lässt sich der vierte Zustand am ehesten mit dem Meditieren vergleichen.

Man reist zu seinen Spirits in die untere oder obere Welt. Die Welt ist nicht vordefiniert. Jeder hat eine Welt, in der er/sie sich zurechtfindet. In den meisten Fällen kommt ein Krafttier und empfängt den Reisenden. Es ist auf den unterschiedlichen Reisen meist dasselbe, nämlich sein eigenes Krafttier. Der Reisende folgt dem Krafttier und/oder einem Weg, der sich ihm vorzeichnet. Man gestaltet die Reise nicht sondern nimmt lediglich aktiv Anteil, ohne sie zu beeinflussen.[1] Die Vorgehensweise, Besonderheiten, Übungen und Techniken des schamanischen Reisens beschreibe ich in einem anderen einführenden Text. Nach der Reise ist es wichtig, die Erlebnisse, Bilder, Antworten oder neuen Fragen sofort aufzuschreiben, noch bevor man sie erzählt (wenn man sie erzählt). Verlorene Informationen kehren nie zurück. Sinnlos erscheinende Informationen sind besonders wertvoll, denn sie weisen darauf hin, dass es wichtige Informationen oder Nachrichten gibt. Der Verstand kann diese  Nachrichten nicht mit Sinn versehen, aber da sie angekommen sind, sollte man sie bewahren und beherzigen oder die Aktionen durchführen. Der Sinn kommt später.

Die Anleitung zu eigenen Reisen ist ein Kernstück der Arbeit. Ich erkläre die Grundlagen und den groben Ablauf einer Reise. Dann trommle ich und lasse mir erzählen, was der Partner auf dieser Reise erlebt hat. Erste eigene Reisen der Brauchenden sind oft nichtssagend, dunkel, enden in Gemäuern, Sackgassen oder brechen einfach ab. Das ist nicht ungewöhnlich und sie sollten trotzdem dokumentiert werden. Ich höre dann das Ergebnis. „ich kann nicht reisen, das hat keinen Zweck." Diese Information ist es wert, festgehalten und dokumentiert zu werden, signalisiert sie doch: Ich kann nicht reisen, ich habe die Möglichkeit der Anbindung an die Unendlichkeit nicht.

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[1] Eine andere Variante sind Traumreisen, in denen man an Wunschorte reist und Wunschaktionen oder Sehnsüchte auslebt. Das sind keine schamanischen Reisen.