Liebe und Angst

Hibiskus im Regen

Liebe und Angst

 

Jesus hat Liebe gepredigt und die Kirche vermarktet Angst.

Liebe ist schon da, die Angst kommt erst dazu.

Reden ist eine endliche Ausdrucksform und deshalb begrenzt. Das Gefühl mag unbegrenzt sein; wenn es geredet wird, bleibt es in den endlichen Grenzen gefangen.

Liebe ist unendlich und kann nicht geredet werden. Deshalb bleibt Liebe unendlich.

Jede Unendlichkeit kann eine individuelle Repräsentation haben. Das Gefühl wird mit Liebe empfunden, mit Hass oder mit Barmherzigkeit, mit Scheu, mit Ärger oder mit Freude, mit Schwermut, mit Mut oder mit Leid. Doch jeder Mensch hat eine individuelle Interpretation, Realisierung, Umsetzung in sein individuelles Gefühl und ein individuelles Spiegelbild dafür. Das ist das große Geschenk der Natur. Die endliche Repräsentation der unendlichen Unaussprechlichkeit im Menschen macht seine Individualität aus. Jeder kennt die Liebe und doch nimmt sie in jedem eine andere Endlichkeit an.

Die Sicherheit ist auch die Freiheit der Gefühle und das Vertrauen in die unendliche Fürsorge der Natur.

Bis zur Geburt ist der Mensch in Sicherheit. Sein Gefühl, das unendliche Gefühl ist die Liebe und es gibt keinen Anlass für Unsicherheit, mithin keine Angst. Der Embryo ruht in der Sicherheit und Geborgenheit der unendlichen Natur. Auch nach der Geburt ist das Baby meist in sicherer Obhut seiner Mutter - es trinkt und schläft.

Das Leben in der Welt stößt das Baby in die Unsicherheit, weil seine Umgebung endlich geworden ist. In dem Leben der Welt gibt es Unsicherheit und Überlebensangst, wenn das Baby nicht trinken oder schlafen kann oder andere Ängste empfindet, zum Beispiel Schmerz oder Verlassensangst.

Angst ist endlich. Angst kann nur in der Endlichkeit bestehen. Angst ist die Unfreiheit in den endlichen Grenzen. Angst ist die Angst vor der Unsicherheit wenn die Grenzen fallen oder verlassen werden. Angst ist kein Vertrauen in die Sicherheit der unendlichen Möglichkeiten, die außerhalb der Grenzen von der Natur bereitgehalten werden.

Die Verbindung von Unendlichkeit und Endlichkeit wird immer endlich sein. Es gibt aus der Endlichkeit keinen Weg zurück ins Paradies. Das Baby verlässt das Paradies und kommt in die endliche Welt. Es kommt also mit der Liebe, die unendlich bleibt wenn sie geteilt wird, in die endliche Welt der Menschen.

Die Menschen in dieser Welt sind schon endlich und sie trennen das Baby von der Unendlichkeit. Damit verlässt es das Paradies der unendlichen Gefühle und tritt in die Ungewissheit der Endlichkeit ein.[1]Die Struktur, die Endlichkeit, die Begrenztheit können nur eine Hilfskonstruktion für die Sicherheit aus der Unendlichkeit anbieten. War das Gefühl der Sicherheit ein unendliches und bedingungsloses aus den Galiora[2], so ist es in der endlichen Repräsentation an Bedingungen geknüpft. Eine Bedingung ist das Beachten der Regeln und "Gesetze" in der Struktur, eine andere ist die Akzeptanz der Begrenzungen. Denn nur innerhalb der Begrenzungen kann die Struktur die Wirkungen versprechen, die zu der endlichen Entsprechung des Sicherheitsgefühls führen. Die endliche Sicherheit ist nicht die bedingungslose Geborgenheit in der Galiora-Welt, sondern die interpretierte Endlichkeit in kategorisierten Lebensbereichen - Sicherheit der gesellschaftlichen Stellung, Funktionsfähigkeit des Körpers, finanzielle Sicherheit, Frieden in Grenzen, Sicherheit des Arbeitsplatzes, Sicherheit im Straßenverkehr, Sicherung der sozialen Stellung, Schutz vor Hunger, Schutz vor Naturkatastrophen, Schutz vor der Unberechenbarkeit der Endlichkeit.

Innerhalb dieser Strukturen, Regeln, Konventionen und Erklärungen sei der Mensch sicher und brauche keine Angst zu haben. Andererseits soll er aber Angst haben, wenn er die Struktur verlässt oder die Struktur ihn im Stich lässt. 

Die Angst kommt aber nicht in der Struktur in die Welt, sondern beim Verlassen des Paradieses, nach Trennung von der Geborgenheit. Die Rolle des Beobachters, des Subjektes, die Eigenständigkeit macht schon Angst. In der Struktur wird nach einer Rolle verlangt, der Einsatz der Ratio ist gefordert, das Ego spielt eine Rolle. In irgendeiner Rolle sei er sicher, das ist das Versprechen der Struktur, der Ratio.

Der Mensch verspürt Angst wenn er denkt, dass es etwas gibt mit der Macht zu verletzen, dem er nicht ausweichen kann. Die Angst kann in der Erinnerung eingeschlossen und bewahrt sein. Die Erinnerung ist vermeintlich nicht auszulöschen und sie macht die Angst das ein Ereignis wieder in das gegenwärtige Leben kommt.

Angst bezieht sich immer auf Ereignisse in der Zukunft. Sie ist mit der Unsicherheit verbunden, dass die Struktur nicht verlässlich schützt oder sich womöglich bis dahin aufgelöst hat. Die Struktur soll Sicherheit in der Planung geben und innerhalb der Rahmenbedingungen die Möglichkeiten finden, dem Ereignis auszuweichen, das die Macht hat zu verletzen. Der Verlust oder die Unzuverlässigkeit der Struktur fördern die Angst. Und so nimmt die Angst mit der Strukturierung und der Planung zu.

Die Struktur ist endlich und sie ist mit dem menschlichen Verstand ausgedacht. Sie wird zur Struktur, indem sie akzeptiert wird und der Mensch baut mit jedem Ereignis, jeder Wirkung, jeder Erfahrung, jedem Tabu und jeder Konvention einen neuen Stein in die Mauer seiner festen Struktur der vergangenen Ereignisse. Diese feste Struktur liefert einen vermeintlichen Schutz, weil sie die zukünftigen Ereignisse in ihren Wirkungen planbar macht.

Die Angst kriecht in den Menschen wenn er sich ein Ereignis ausdenkt, das noch nicht stattgefunden hat und das trotzdem unausweichlich in Gedanken erscheint. Die Struktur ist ausgedacht und fragil, das beängstigende Ereignis ist ebenfalls ausgedacht. Die Angst kommt über den Menschen weil er denkt. Sie ist sehr individuell, denn sie basiert auf der Struktur, die der Mensch über sein ganzes Leben bis zum gegenwärtigen Gedanken aufgebaut hat. Und sie bezieht sich auf ein individuell ausgedachtes Ereignis, das nur von seinem Denker in seinen Einzelheiten und in den persönlich verletzenden Wirkungen erwartet werden kann. Angst ist ein durch Denken erzeugtes Gefühl.

Angst macht krank wenn sie sich zwischen die Geborgenheit und die Sicherheit der Mutter Natur und das individuelle Vertrauen in diese Sicherheit schiebt. Der Aufpasser wird von der Struktur entsandt, von der Erziehung, der Gesellschaft, dem sozialen Umfeld, den Eltern und dem eigenen Ego. Das Ego gibt die Rolle vor oder akzeptiert sie zumindest. Mit Angst vor der Macht die verletzen kann wird der Mensch in seiner Rolle gefangen gehalten. Der Aufpasser schickt den Menschen in seine Rolle zurück und wenn die Rolle nicht zu ihm passt, dann leidet er dort. Der Aufpasser wird die Verantwortung für das Leiden nicht übernehmen.

Angst engt ein. Sie ist wie ein Gefängnis das die Möglichkeiten begrenzt. Die Angst ist nicht da, weil es eine Macht gibt die verletzen kann, sondern weil der Mensch sich ausmalt, dass er dieser Macht nicht ausweichen kann. Es fehlt ihm an kreativen Möglichkeiten. Die Möglichkeiten sind zwar da, aber der individuelle Mensch hat darauf keinen Zugriff, weil seine Bewegungsmöglichkeiten eingeschränkt sind. Vieles ist festgefügt und strukturiert und der einzelne Mensch sieht nur wenige Möglichkeiten oder hat kein Vertrauen, sich den angebotenen Auswegen der Natur zu öffnen. 

In dem Bild vom Leben gibt es am Anfang keine Angst, weil alle Möglichkeiten offen und im Zugriff sind.[3] In diesem Zustand stellt sich nicht die Frage, ob es eine Macht gibt, weil das Baby in der Liebe schwimmt und jederzeit einer Macht ausweichen kann. Die Macht gibt es per definitionem schon nicht, weil Macht die Bewegungen eingrenzt und damit überhaupt erst zur Macht wird. Es gibt keine Macht über der Liebe.

Mit den ersten Anpassungen, mit dem ersten Wort, mit der ersten Erziehung, den ersten Tabus und der ersten Grenze, gibt es den ersten Ansatz für Angst. Jedes neue Tabu, jede neue Erziehung, jede neue Fertigkeit schränkt den Bewegungsspielraum ein und gibt der Angst neue Nahrung. Die Macht wird spürbarer, weil die Sicht auf die Möglichkeiten ihr auszuweichen immer enger wird. Wenn keine Möglichkeiten mehr da sind, füllt die Angst die emotionale Landschaft, der Bewegungsraum ist praktisch Null.

Diese Angst kann der Mensch nicht teilen, es ist seine individuelle Angst. Sie ist in seinem Leben, entstanden mit seinen Erlebnissen und gewachsen mit seiner Vergangenheit. Auf dieser Angst bleibt jeder sitzen und jeder muss versuchen mit seiner individuellen Angst umzugehen. Die innere Angst ist im Selbst, sie kann nicht mitgeteilt werden, sie bleibt da. Angst füllt das endliche Gefängnis und sie lässt keinen Platz für die Liebe. Sie fühlt sich unendlich an, weil sie die Endlichkeit vollständig füllt.

Das Unendliche kann es im Endlichen nicht geben. Das Kreative kann sich in der begrenzten Struktur nicht entfalten. Die Liebe gibt es nicht im endlichen Gefängnis. Liebe ist draußen. Der Durchbruch durch die Gefängnismauern der Struktur lässt die Liebe ein.

Angst wird durch die grenzenlose, unendliche Liebe überwunden, die neue Möglichkeiten außerhalb der Grenzen bietet. Das Vertrauen in die unendliche Liebe der Natur sprengt die Grenzen und beseitigt die Signale der Seele, die sie über den Körper als Zeichen der Angst aussendet.

Der Ertrinkende hat Angst. L. Cohen besingt die Stärke und die heilende Kraft Jesus' in seinem Lied „Suzanne": ... and when he knew for certain that only drowning man could see him, he said: all man shall be sailors then until the sea shall free them ...

Der Ertrinkende muss akzeptieren dass er ertrinkt, wenn er keine Hilfe bekommt. Er muss schwach sein um die Rettung anzunehmen. Solange er noch meint, er wäre nicht in Not und kann die Situation allein meistern, ist er noch nicht bereit für die Rettung. Sobald er der unendlichen Liebe vertraut, findet er den Anschluss an neue Möglichkeiten. Aus dem Soolago[4] kommen die Möglichkeiten und ihr Träger ist die Liebe.

Die Liebe ist anziehend und damit hält sie alles zusammen. Sie gleicht der Gravitation, von der niemand weiß, welche materiellen oder physikalischen Grundlagen sie hat. Es ist erstaunlich genug, dass die gesamte Welt der Physik zusammenbrechen würde, wenn es die Wirkungen der Gravitation nicht gäbe. Und doch hat sich eine Wissenschaft um das Mysterium herum organisiert, ohne eine wissenschaftliche Erklärung ihres Fundamentes zu haben.

Liebe ist Vertrauen. Liebe ist die Freude über neue Möglichkeiten, wenn die alten Potenziale erschöpft sind.

Angst ist fehlendes Vertrauen. Angst zieht den sicheren Blick auf die Mauer vor und riskiert nicht die Unsicherheit, wenn der Blick aus der zerbröckelnden Struktur frei wird auf die unendlichen Möglichkeiten.

Angst ist auch die Angst des Gehirns vor der Leblosigkeit. In dem Fall ist es nicht die Angst vor der unbekannten Gefahr, die Macht ausübt, sondern vor dem Mangel an Aktivität, der das Gehirn nicht mehr mit Lebenskraft versorgt. Diese Angst geht wieder von den Gedanken aus, die die Gefahr um das individuelle Schicksal vorausdenken. Es ist die Angst der Nutzlosigkeit. Das Gehirn wird nicht mehr versorgt. Das Gehirn ist abhängig von der Funktion des Körpers. Das sind andere Glieder und Körperteile auch, die aber teilweise geopfert werden können, wie der Gecko seinen Schwanz bei Gefahr opfert.

Die Logik hat keine Erklärung für eine Angst vor dem Ende des Lebens an sich, denn das Denken und Fühlen hört dann ja auf. Eine Todesangst ist einerseits vor dem Prozess des Sterbens erklärlich, zum Beispiel vor dem Ertrinken, dem Ersticken oder dem Verbrennen. Angst machen kann allerdings auch die Vorstellung, dass es ein Leben danach gibt und dieses Leben wäre die Hölle. Dieses Argument wird von Kirchen teilweise herangezogen, um mit dieser Angst Marketing zu machen. Es hält keiner logischen oder aufgeklärten Überprüfung stand.

Aber es scheint, dass der Mensch mit seinem großen Gehirn und dem Bewusstsein seines Selbst einen gewissen evolutionären Vorteil um den Preis der Existenzangst erworben hat. 

Die Liebe beginnt ebenfalls bei dem Bewusstsein seines Selbst und kann in einem Stadium der Zufriedenheit zu einer Akzeptanz und zu der angemessenen Selbstliebe führen. Wer sich selbst kennt und respektiert, kann diese Position in der Beziehung zu seiner Umwelt einnehmen. 

Die Angst kann nur in der Beziehung zu der endlichen Welt entstehen, in der Beziehung zu Anderen, die eine unausweichliche Macht ausüben, oder in der Antizipation von unausweichlichen Ereignissen. Die unausweichlichen Ereignisse oder Mächte sind aber noch nicht eingetreten und in der Mehrzahl der Fälle treten sie auch nicht ein, sie werden nicht zur Wirklichkeit, sondern sind nur in unseren Gedanken. Im wörtlichen Sinne sind es ‚Hirngespinste'.

Wir folgen dem Bild der Ärzte, Biologen, Psychologen und anderen Wissenschaftlern oder Philosophen, die solche Gedanken im Gehirn verorten. Wir denken mit dem Gehirn und wir denken uns etwas aus, das Angst macht, zu Panikattacken, Stress und Angstschweiß führt, zu Depressionen, zu Antriebslosigkeit und in extremen Fällen zum Selbstmord. Andererseits behaupten die gleichen Wissenschaftler und noch viele andere Institutionen, wie die eingangs genannte Kirche, dass der Mensch die am weitesten entwickelte und fortgeschrittene Spezies sei. Dazu habe vor allem sein Bewusstsein und die Entwicklung seines Hirns beigetragen.

Hat die Natur den Menschen mit diesem Hirn ausgestattet das Angst generieren kann? Oder ist die Angst aus dem Gehirn nur eine kulturelle Variante die auch hätte unterbleiben können?

Wir holen aus der Welt heraus, was wir vorher als Voraussetzung hineingesteckt haben. Die Evolutionstheorie des Menschen, die Entwicklung der Arten, die Biologie des Charles Darwin, die christliche Religion und die Basis der westlichen Philosophie gründen auf der Annahme, dass der Mensch die Krone der Schöpfung ist. Wir basieren alles auf der Voraussetzung eines anthropozentrischen Weltbildes mit dem Menschen als vorläufig letztes Glied in der Kette der Weiterentwicklung der Arten. Die Welt hat sich über Jahrmilliarden immer weiter entwickelt, damit wir als Menschen im Ergebnis darüber nachdenken können das die Welt sich so entwickelt hat. Unsere Wissenschaftler erforschen eine Welt unter der Voraussetzung, dass sie geboren sind, um die Welt zu erforschen. Wir setzen unser Gehirn ein, um das Gehirn zu untersuchen, weil wir voraussetzen, dass es sich entwickelt hat, damit wir das Gehirn untersuchen können.

Was bleibt von unseren Theorien, wenn wir die Voraussetzung fallen lassen, dass der Mensch eine Fortentwicklung in der Stufenleiter der Arten ist? Worüber werden wir philosophieren, wenn der Mensch gar nicht die Krone der Schöpfung ist, sondern der Hai oder die Ameise, die Viren oder die Bäume? Ist das überhaupt trennbar? Können wir den Menschen in die Mitte unserer Betrachtungen stellen, wenn er nicht das letzte und wichtigste Glied der Evolution ist? Das wird wohl nicht zu verbieten sein, weil wir eben Menschen sind, die sich selbst betrachten. Die Wertung mit der wir uns über die Welt der anderen Wesen erheben, ist allerdings kulturell bedingt und nur vor dem Hintergrund der elitären machtversessenen Ethik einiger spezieller Kulturen erklärlich.

In einer ganz speziellen ausdifferenzierten Betrachtung lässt sich versuchen, die Welt anthropozentrisch zu sehen, aber den Menschen nicht als die Krone der Schöpfung.

Einige Bilder der Welt zeigen eine höhere Komplexität auf weiteren Entwicklungsstufen. Daraus wird dann implizit gefolgert, dass der Mensch ein besonders komplexes Wesen sei.(siehe auch bei Peat) Das lässt sich aber kaum durchhalten. Die Biene ist ein sehr komplexes Geschöpf, das außerdem wertvolle Aufgaben für die Natur und die anderen Wesen übernimmt und zuverlässig erfüllt. Die Frage der Komplexität ist zudem von dem Standort des Wesens aus zu stellen, womit wir wieder bei der anthropozentrischen Weltsicht sind. Hält der Mensch sich selbst für ein komplexes Gebilde der Natur, dann ist er geneigt, andere Wesen für weniger komplex oder gar unterentwickelt zu bewerten.

Treten wir wieder neben uns und in die Mokassins der anderen Wesen, dann ist aus Sicht ihrer Welt der Mensch unterentwickelt. Er kann nicht fliegen, nicht unter Wasser leben, noch nicht einmal in Kommunikation mit den anderen belebten Kreaturen treten. Er sieht nicht gut, er hört nicht gut, er riecht fast nichts und seine Sinne und Gefühle sind so schlecht ausgebildet, dass er sich von der natürlichen Welt isoliert. Aus Sicht eines Fisches, eines Baumes, eines Virus oder der Erde mag der Mensch einfach strukturiert erscheinen, wenn wir unterstellen, dass die anderen Wesen Arten der Wahrnehmung hätten, die diese Vergleiche ermöglichen. Dieses Gedankenspiel zeigt, dass die Komplexität von der Betrachtungsebene und den eigenen Fähigkeiten und Konditionen abhängig ist.

Die für den Menschen und seine Entwicklung verantwortliche Natur ist die gleiche Natur, die Wale, Fledermäuse, Kraken und Ameisen hervorgebracht hat. Für die weitere Überlegung können wir auf den Vergleich zwischen den Gehirnen verzichten. Es bleibt lediglich der Zweifel offen, warum diese Natur bei der Weiterentwicklung die Angst als Hirngespinst zugelassen hat. Wenn die Natur den Menschen als eine Weiterentwicklung angelegt hat, warum konnte sie das Gehirn nicht in einer Form entwickeln, die diese nutzlose Angst vermeidet.

Die Liebe ist der Grundstoff allen Lebens, die Alles zusammenhält und die wir mit in diese Welt bringen. Sie kommt aus uns und ist spürbar im Leben mit allem Anderen. Mit diesem allen Anderen ist jedes Wesen, jeder natürliche Gegenstand, jeder Baum, jeder Strauch, jeder Lichtstrahl, jeder Luftzug und jeder Mensch in unserer Welt gemeint.

Wenn diese Liebe miteinander geteilt wird und wir damit erfüllt sind, dann ist kein Platz für eine Angst. Dann füllt die Ruhe und die Zufriedenheit die eigene Welt aus und nimmt der Angst den Raum.

Die Unendlichkeit verdrängt die Endlichkeit. Die Liebe wird angewendet um die Freiheitsgrade der Anderen zu erhöhen. Angst ist die Peitsche der Macht und sie wird angewendet um die Freiheitsgrade der Anderen einzuschränken.

Ruhe und Zufriedenheit sind für viele Menschen ein erstrebenswerter Zustand. Das ist nicht die Leblosigkeit in Angst, sondern der Gleichklang aller Taten - der Gleichklang in der eigenen Welt. Das Ergebnis der Selbstliebe im Gleichklang ist: man steht im Zentrum der eigenen Welt und fühlt sich beschützt und behütet. Aus dieser Geborgenheit lässt sich die Liebe leicht mit Anderen teilen, denn sie vermehrt sich, indem sie geteilt wird. Da wir mit Allem verbunden sind, ist unser Gefühl für uns auch unser Gefühl für das Leben - für das ganze Leben in dem wir dann schweben.

Das Leben fängt bei Dir an.


[1] Die Unendlichkeit der Gefühle hat die Sicherheit des Vertrauens in die Fürsorge der Natur (neuer Begriff muss her, denn der alte ist für "Naturwissenschaft" - siehe dort - verbraucht.)

[2] Neues Wort für alle Qualitäten, die nicht zählbar und damit unendlich teilbar sind.

[3] Siehe dazu das Bild und den erklärenden Text zum Bild bei Lebensbild

[4] Soolago ist der Ursprung aller Möglichkeiten