Das Lebensbild

Das Lebensbild

Lebensbild

Wir kennen den Begriff des Weltbildes.[1] Er wird verwendet um eine Vorstellung der sichtbaren Welt zu illustrieren die im weiteren Sinne als ‚Weltanschauung’ um die kulturellen Aspekte ergänzt wird, die zu Grundlagen, Wertungen und Ethik führen. Das Bild der Welt lässt vermuten, dass es hinter der Vereinfachung und der bildlichen Darstellung eine ‚wirkliche’ Welt gibt, für die das Bild nur eine Metapher ist.

 

In der gleichen Form ist das Lebensbild anzusehen. Es symbolisiert den Aufbau und den Ablauf des Lebens von dem Beginn aus dem Nichts oder aus dem kreativen Chaos über die erlebten und erinnerten Strukturen zu dem Ende oder dem Übergang in das Nicht-Leben, die reine Materie. Auf dem Weg dahin sehen wir die Formbildung und die Wahrnehmung von e’a, wir erkennen die Gefühle als Signale der Seele und die Liebe als Bindung zwischen den Seelen und Gefühlen. Wir lernen die Eingrenzung der Möglichkeiten in den Rahmenbedingungen der Kultur und Ethik kennen. Und wir sehen die Auswege, sich den Strukturen und Zwängen zu entledigen und die eigene Freiheit zu leben.

 

Bohm schreibt in seinem Buch ‚On Creativity’ über Einstein, der die Grundlage der Welt als ein Feld beschrieben hat.[2] In diesem Feld kann es keinen Beobachter geben. Das Konzept des Beobachters ist falsch, denn in dem Feld ist alles verbunden und wird zu Struktur oder Materie. Also ist der Beobachter ebenso in dem Feld wie das beobachtete Teil oder Ereignis. In der Quantenphysik entsteht das Teil mit der Beobachtung, der Beobachter entsteht aber ebenfalls dort und ist untrennbar. Es sei denn, der Mensch hat sich in ganz spezieller Form von dem Feld abgetrennt und ist aus der Synergie entlassen, aus dem Paradies verbannt. Dann ist er unbeteiligter Beobachter. Im Paradies selbst sind nur beteiligte Beobachter.

 

Die Erde oder der Stein ist eine Orientierung für die Möglichkeiten aus dem Soolago. Wie ein Strudel im Wasserlauf sich an einem Stein bildet, bildet sich das Leben als eine Möglichkeit an dem Stein, der Erde. Ab dann beginnt sich das Leben zu realisieren als die Struktur mit den neuen Möglichkeiten. Es gibt keinen davon getrennten Beobachter, das ist eine Vorspiegelung unseres Verstandes. Er schiebt sich zwischen die Welt und unser Ego. Es gibt keinen Sinn hinter dem Weltbild, keine letzte Wahrheit außer der ungetrennten Welt. Wenn es keine Suche nach der letzten Wahrheit gibt, dann sei die Wissenschaft obsolet, schreibt Bohm. Allein die Künstler erschaffen immer wieder Neues, weil sie nicht auf der Suche nach der dahinter liegenden Wahrheit sind, die es zu entdecken gilt. Sie machen einfach ihr Ding und je intensiver sie in den Möglichkeiten aus dem Soolago leben und arbeiten, desto leichter fällt ihnen ihre Kunst.

 

Das Lebensprinzip entsteht aus den Möglichkeiten, aus dem Soolago und hinterlässt Strukturen, die für neues Leben wiederum die Orientierung und die Rahmenbedingungen sind. Die Struktur verbleibt nach dem Ende eines Lebens und ist dann der Stein für die neuen Möglichkeiten, für die e'a. Rahmenbedingungen sind Steine für die e'a im Leben, an denen die e'a sich andocken und realisieren. Die Materie entsteht nicht wegen des Beobachters, sondern wegen des Steines, an dem die Struktur sich bildet und dann beobachten lässt.

 

Wie würden sonst die Schnecken und die Bäume und die Fledermäuse leben? Sie wissen nichts von Quantenphysik und erspüren trotzdem ihre Möglichkeiten.

 

Die Natur sieht für jedes Wesen in seinem Leben das Glück und die Zufriedenheit vor. Hierbei ist das Leben in einem ganz weiten Sinne als das Dasein in der Natur gemeint. Ob groß oder klein, schwimmend, stehend im Wind, fliegend, schleimig, trocken oder intelligent, im Dunkeln oder auf einer Wiese; jedes Wesen in seinen Randbedingungen erkennt seine Möglichkeiten. Und wenn es sie nutzt, wird es glücklich und zufrieden. Das ist die Essenz des Bildes von der Intention zu leben zur Intention zu sterben.

[Der vollständige Text ist im Anhang als "Zum Bild 3.1" und kann heruntergeladen werden.]

 



[1] Siehe dazu den Beitrag im Text “Welt im Leben”

[2] Bohm, David: On Creativity, New York, 2010, S. 93

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