Die Welt

Wasser und Stein

[Für die Benennungen habe ich neue Worte gemacht. Die bestehenden Begriffe sind verbraucht als ein Instrument aus der Endlichkeit des menschlichen Weltbildes. Selbst die Bezeichnung "Unendlichkeit" enthält eine Bedeutung, die sie abgrenzt von der Endlichkeit. Begriffe sind der endliche Teil der unaussprechlichen Gefühle. Weil sie endlich sind, verbrauchen sie sich.]

Die Welt

 

Das Nichts ist die Möglichkeit von Allem.

Das Nichts ist ohne Gegenteil. Erst wenn Etwas wird ist das Nicht-Etwas möglich oder etwas Anderes.

Die Möglichkeit von Etwas ist die Welt, denn sie birgt damit gleichzeitig die Möglichkeit von Nicht-Etwas. Die Benennung von Etwas bringt das Nicht-Etwas mit sich.

Das Bewusstsein ist der Ursprung aus einer Möglichkeit. Es bringt das Unbewusstsein mit sich. Ist das Bewusstsein, so ist auch das Unbewusstsein. Beides ist Soolago. Soolago ist immer. Soolago ist das reine Sein.

Alle Galiora im Soolago waren immer unendlich und werden es immer sein. Galiora sind Liebe, Energie, Mut, Stärke, Weite, Unendlichkeit, Zeit, Spiel, Musik, Sprache, Dauer, Raum, Kugel, Leben, Sinn, Licht, Schönheit, Glück, Gabe, Sicherheit, Freude, Orgasmen, Farben, Leere, Reond, Wasser, Ruhe und alles das nicht.

Weil alle Galiora immer waren und sind, bleiben sie untrennbar, unzählbar und unendlich. Zeit kann nicht getrennt sein von Energie, Liebe, Licht, Dauer. Raum kann nicht getrennt sein von Weite, Farben, Leere, Sprache, Musik, Reond, Ruhe.

Teilt man Galiora, so vermehrt sie sich. Dann haben alle mehr Energie, Licht, Liebe, Farben, Sprache, Musik, Ruhe und alles andere und auch was das nicht ist.

Das Bewusstsein braucht das Unbewusstsein für sein Sein und so verbinden sich die liebenden Partner auch über das Unbewusstsein. Die Verbindung ist das Sein, nicht aber das Werden. Das Sein ist bleibende Unendlichkeit, das Werden lebende und vergehende Endlichkeit. Das Werden ist das Leben innerhalb des Seins als einer Möglichkeit aus Allem.

Aus dem Bewusstsein wächst die Sehnsucht nach den Galiora. Sie leben von dem Geben und Vermehren. Sie sind erst im Soolago, wenn sie auch nicht da sind. Energie ist erst da wenn gleichzeitig keine ist, Licht ist erst da wenn es auch dunkel ist, Sprache ist erst erkennbar wenn nicht gesprochen wird, Freude ist erst wenn keine Freude sie hervorhebt, Stärke ist neben der Schwäche, Orgasmen haben Höhepunkte nach denen es wieder in die Tiefen geht. Liebe wird geteilt und alle haben mehr - und jene, die sie mehr brauchen, verstärken umso mehr das Soolago.

Das Bewusstsein ist eine Möglichkeit und es ist die Welt. Daraus wuchs die Liebe, die nur dort wächst wo sie geteilt werden kann. Aus der Sehnsucht der wachsenden Liebe entsprang die Notwendigkeit nach einem Partner, der die Gabe annehmen und das Soolago mehren kann. Außer dem Bewusstsein war nur das Unbewusstsein da und so war der erste Partner für die Liebe das Unbewusstsein. Beide teilten und vermehrten die Liebe unendlich.

Mit dem Bewusstsein der Unendlichkeit entstand gleich die Endlichkeit. Dieses Soolago ist Misona, die Unendlichkeit und die Endlichkeit und die Liebe in sich selbst.

Aber die Liebe ist auch die Nicht-Liebe. Aus der Angst vor der Nicht-Liebe entsteht die Kultur der Menschen und die Möglichkeit der Lüge, mit der die Menschen für das soziale Gefüge einen Tribut entrichten. Ohne das soziale Gefüge wären sie lebensunfähig und als ein Irrtum der Natur als lebensunfähige Spezies schon aus der Neema verschwunden.

Dieser Gedanke ist fremd und nicht mit den Worten der zweifachen Logik beschreibbar (Duale Logik kennt nur Etwas und das Gegenteil davon - Ja oder Nein). Kinder beginnen ihr Leben in der Unendlichkeit und den unendlichen Möglichkeiten. Ich werde die Angst vor der Nicht-Liebe und die Vertreibung aus dem Paradies der unendlichen Sicherheit aus den Augen des Kindes beschreiben. Das sind die einzigen Worte, deren ich zur Beschreibung der wortlosen Spiritualität fähig bin:

Als Kind streune ich hier und da herum, neugierig koste ich die Beobachtungen in die anderen Welten aus, spiele die kindliche Ahnungslosigkeit solange die Erwachsenen aus der Entfernung von der eigenen Kindheit meine Beobachtungstiefe unterschätzen. Die Nähe zu meinem Austritt aus der Unendlichkeit bereitet eine Wiese der Gefühle, die jeden Geruch, jede Wahrnehmung, jede Anrührung aus den anderen Welten ohne Umweg als klare Bilder in mich stellt. Die Sicherheit der Bilder, die Klarheit und die unbedingte Detailgenauigkeit lassen keinen Zweifel aufkommen. Diese Bilder der Erlebnisse in die ich eingebettet bin, sind die Welt.

Verwirrt beobachte ich die Sprache der Erwachsenen, die andere Bilder beschreiben, als sich in mir aus der direkten Verbindung meiner Sinne mit der Welt aufbauen. Die Abstimmung meiner Wirklichkeit mit den aufgebauten, verfärbten und gefilterten anderen Welten ist unsäglich schwierig und vor allen Dingen unnütz, da ich doch nicht im Zweifel bin. Anderen die Sicherheit meiner Bilder und Gefühle zu vermitteln, braucht einen Aufwand der meine kindlichen Fähigkeiten übersteigt und den ich vermeide, wenn sich die Gelegenheit bietet, mich hinter der kindlichen Unfähigkeit zur Kommunikation zu verstecken. Wie unmöglich ist es doch, mich mit den Augen der Erwachsenen so zu sehen, dass meine Sprache ihre Unsicherheit über meine Welt widerspiegelt. Erst meine gespielte Erklärungslosigkeit macht ein Verständnis möglich, das kindliche Lügen für erwachsene Wahrheiten eintauscht.

Mit dem Wunsch nach Anerkennung meiner Taten in den neuen Welten setze ich den ersten Fuß aus der Angstfreiheit der unendlichen Geborgenheit in die Unsicherheit der menschlichen Verabredung von Wirklichkeit. Ich ergebe mich der Macht der neuen Welt, die eine Verweigerung zur Kommunikation mit dem Entzug der Liebe bestraft, einer Liebe, die bisher mein Leben behütet und ermöglicht hat. So wird das Verlangen nach einer Fortsetzung der Liebe zum Erzengel, der die Vertreibung aus dem Paradies der Sicherheit bewacht. Den Weg zu verweigern heißt in der unendlichen Sicherheit isoliert zu bleiben.

Mit dem Austritt aus dem Paradies ersetze ich die Qualitäten des ewigen Lichtes, der Energie, des zeitlosen Seins, der teilbaren Kraft, der bedingungslosen Liebe, der unendlichen Möglichkeiten durch die messbare Lichtgeschwindigkeit, die bestimmbaren Energieformen, die verlustreiche Machtanwendung, den zählbaren Wert, die gegenseitige Liebe und das Werden und Vergehen. Nach dem Werden tritt das Vergehen in mein Leben und das Leben wird ein Ende haben. Alle meine Spielgefährten empfinden das Ende ihres Lebens als das Tauschobjekt in die endliche Welt der Erwachsenen. Wir werden an das Ende unserer Möglichkeiten kommen und ein neues Leben beginnt. Diese Gewissheit beruhigt, denn wenigstens nimmt sie uns die Angst vor der Isolation ohne Menschenliebe.

Mir schwindet wie jedem anderen Kind die spirituelle Verbindung zu der Misona, die virtuellen Spielkameraden werden blasser, die verabredete Wirklichkeit der erwachsenen Gesellschaft durchschneidet Verbindungsleinen zur Unendlichkeit. Misona gibt mir als einen Gruß das Gefühl der Endlichkeit mit und die Hoffnung auf eine Rückkehr in ihren Schoß.

Der Austritt aus dem kindlichen Paradies der langsam versiegenden neuen Erlebnisse in die lügnerisch glorifizierten und verabredeten Wirklichkeiten der erwachsenen Endlichkeit eröffnet eine Anhäufung neuer Möglichkeiten. Aber die Möglichkeiten sind begrenzt und das unendliche Spiel wandelt sich in ein endliches Rennen innerhalb der vereinbarten Regeln. Wer wird uns den Sinn dieses neuen Lebens erschließen, wenn wir das Vergangene verlassen und die Tür zur den unendlichen Qualitäten sich langsam schließt? Werden wir nochmals mit der Erschöpfung der Möglichkeiten der endlichen Welt der Erwachsenen einen Übergang zu einem neuen Leben finden, oder schließt uns der Erzengel am Ende die Tür zum Paradies der Sicherheit in Isolation wieder auf?

Mit dem sozialen Gefüge wird das Bewusstsein auf die Vielzahl der menschlichen Träger aufgeteilt, die deshalb gezwungen sind zu kommunizieren, um Sicherheit über die Wirklichkeit zu simulieren. Wegen der Möglichkeit der Lüge ist die vereinbarte Wirklichkeit nur eine Vermutung.

Teilen die Träger des Bewusstseins die Galiora, dann wächst sie für alle, denn die Unendlichkeit ist ohne Verlust teilbar und vermehrt sich mit der Teilung. Liebe, Energie, Mut, Stärke, Weite, Unendlichkeit, Zeit, Spiel, Musik, Sprache, Dauer, Raum, Kugel, Leben, Sinn, Licht, Schönheit, Glück, Gabe, Sicherheit, Freude, Farben, Leere, Reond, Ruhe vermehren sich mit der Aufteilung auf mehr Träger.

Die endlichen Entsprechungen sind die Neema. Die Neema vermindern sich mit der Aufteilung auf mehrere Träger.

Da Misona nichts braucht weil es alles ist, braucht es gleichwohl etwas das alles braucht weil es nichts ist. Das ist Neema, die Endlichkeit. Sie lässt Misona existieren und Misona erschafft sich die Neema nach seinem Vorbild, denn das ist es, was er liebt. Misona liebt sich selbst und gibt sich eine endliche Gestalt mit allen Möglichkeiten aus der Unendlichkeit und der Endlichkeit, mit der Liebe, dem Bewusstsein und dem Unbewusstsein - das ist das Leben.

So kam das Leben in die Welt als der Teil der Misona, der die Endlichkeit körperlich macht und der Unendlichkeit die Wirklichkeit gibt.

Das Nicht-Leben ist nicht der Tod. Das Nicht-Leben ist das Sein. Der Tod ist das Vergehen des Lebens in der Neema. Der Tod löst die Hülle in der Neema und lässt das Bewusstsein an Misona zurück. Aus der Hülle entsteht mit der Zuführung von Licht die Basis für eine neues Werden und Vergehen, eine neue Hülle, die nur für eine endliche Abfolge von Ereignissen bis zur Erschöpfung der Möglichkeiten wieder ein Leben als Synergie von Sein und Werden schafft. Erst der Tod als das vergangene Leben in der Neema ist der Humus für ein anderes Leben. Das Bewusstsein wird mit dem Tod von den Begrenzungen der Endlichkeit befreit und bleibt im Saalago.

Mit der Endlichkeit erhalten die Galiora eine Begrenzung, werden abzählbar und können verringert oder vermehrt werden. Damit wurde aus dem Zeitgefühl die abzählbare Zeit und das Universum hatte einen Beginn und wird ein Ende haben. Die Materie grenzt sich in eine Form ein, der die Endlichkeit immanent ist. Die Form ist Neema in den endlichen Spiegelungen der unendlichen Galiora. Die Form ist nicht endlich, weil sie sich für diese Begrenzungen entschieden hat, sondern weil die unendlichen Galiora eine endliche Entsprechung brauchen, um ihre Unendlichkeit zu behalten. Die Materie ist also eine Vereinbarung innerhalb der Möglichkeiten der Galiora.

So hat der Raum eine Ausdehnung und eine Grenze, er kann leer oder mit Materie gefüllt sein. Er ist aber nicht Raum weil er leer oder gefüllt ist, sondern weil er Neema ist. Jede Materie bringt ihren Raum mit, beide sind unbedingt, beide sind unabhängig, beide sind in der Neema geboren und von dieser abhängig. Die Erscheinungen wie Raum, Materie, Zeit oder Bewegung sind alle in der Neema geboren und von dieser abhängig. Untereinander erscheinen sie verbunden weil sie alle einen Urgrund haben.

Das Licht ist ein anderer Abgesandter der Galiora, das nicht geteilt und vermehrt wird wie die Liebe. Das Licht ist der Nährboden allen Lebens, unendlich, immer und überall. Es ist das Geschenk von Misona an Neema, die Verbindung zwischen der Unendlichkeit und der Endlichkeit. Das Licht gibt das Leben und nimmt es wieder, es macht das Leben über das Werden und Vergehen unendlich. Was mit dem Licht erschaffen und genährt wird, ist der Boden für weiteres Leben. Das neue Leben ist möglich, indem Neema dem vergangenen Leben das Licht hinzufügt und so den Kreislauf des neuen Lebens befruchtet.

Alles Leben ist dazu da, die Liebe zu mehren und dann zu vergehen, damit auf seinem Boden Neues entstehen kann. Jeder Nährboden für jedes Leben ist vergangenes Leben. Leben ist Geben.

Wenn Licht in die Neema eintaucht bringt es Energien mit, die vom Leben in verschiedenen Formen erfahren werden. Die Formen der Energien sind unbedingt, sind unabhängig. Alle sind in der Neema geboren und von dieser abhängig. Der gemeinsame Träger aller Energien ist das Wasser, es trägt das Licht in die Neema. Das Wasser wird von Misona geschickt, die Unendlichkeit in den Kreis des Lebens zu tragen. Und so haben die Menschen ein Leben, gegründet auf den vergangenen Leben, erfüllt mit wachsender Liebe, genährt mit dem Licht und seinem Träger, dem Wasser.

Der Kreis des Lebens ist die unendliche Endlichkeit. Er ist eine Gestalt in der Neema der eine Endlichkeit innewohnt. Sieht man das Ganze, so ist er endlich, will man ihn aufteilen, so ist er unendlich.

Nun gilt es für Misona aber die Endlichkeit des Lebens mit seiner Unendlichkeit zu verbinden, damit die Liebe kein Ende nehme mit dem endlichen Lauf des Lebenskreises. Deshalb fügt Misona jedem Lauf des Kreises immer wieder neues Licht hinzu aus den unendlichen Möglichkeiten. So wird aus dem Kreis eine Spirale, die wie die Unendlichkeit ist.

Nichts ist. Etwas kann nicht sein, sondern nur werden. Wenn etwas wird hat es eine Grenze seiner Möglichkeiten. Für jedes Werden sind die Möglichkeiten erschöpflich und so verändert das Werden sich zum Vergehen. Ohne neue Möglichkeiten ist das Etwas beendet und es bleibt das Nichts als reines Sein.

Im Vergehenden teilt das Licht seine Stärke mit den verbleibenden Möglichkeiten und es wird neues Etwas. Das Licht wird vom Wasser getragen.

Das Licht wird nicht weniger, wenn es geteilt wird. Es ist ein Repräsentant aus dem Sein (dem Soolago) und verbindet sich in Synergie mit dem Wasser als Repräsentant des Werdens und Vergehens (der Neema). Wasser wird weniger, wenn es geteilt wird.

Aus der Synergie von Unendlichkeit und Endlichkeit wird Endlichkeit. Unendlichkeit kann nicht werden, sie ist.