Die Diagnose

Die Diagnose

Der Körper signalisiert den Zustand der Seele. Deshalb beginnt die Diagnose beim Körper. Ich verwende dazu eine Rassel, die Art der Rassel ist meist unterschiedlich. Sie bietet sich für die jeweilige Situation an. Diese Formulierung mag nicht logisch oder nachvollziehbar sein. Das ist gut so, denn die gesamte Arbeit ist es nicht. Wäre die Aufgabe logisch zu lösen, gäbe es das Problem nicht. Ich vertraue den Spirits und folge ihren Ratschlägen, der Sinn wird später erkennbar. Vor, während und nach den Sitzungen bin ich sehr aufmerksam und angespannt und achte auf alle Signale von dem Brauchenden, aus seinem Körper, seiner Seele und aus der gemeinsamen Ganzheit. Ich schreibe diese Signale und Bilder auf, sehr oft sind sie erst später von Nutzen.

Ich rassle über dem Körper und nehme alle Bilder auf, die vor meinem geistigen Auge entstehen. Ich sehe Blockaden und unversehrte Zonen, Einengungen, Fesseln, Unkraut und Leere. Am Körper gibt es fehlende Teile oder dicke, dünne, hölzerne, verkrustete oder überwachsene. Aber ich erfühle mit der Rassel nicht nur Negatives. Es gibt schöne Stellen, strahlende Regionen und Ruhezonen. Die Worte reichen nicht aus und die Sätze reichen nicht aus, bei jeder Rasselsitzung werden mir andere, neue Bilder des Körpers angeboten. Ich zeichne das grob auf und bespreche das Bild mit der Person.

Im Gespräch kommen weitere Hinweise auf die persönlichen Ursachen der Krankheit.[1] Mit dem Bild und den Zusatzinformationen habe ich einen ersten Eindruck von dem Umfeld, dem individuellen Bedarf und der Aufgabe. In der Diagnose werden die Spirits zum Herzen geleitet, das nach dem Urgrund des Problems gefragt wird. Mit diesen Informationen reise ich allein nach der Trommel  und frage die Spirits, was zu tun ist, wie ich helfen kann und vor allem, ob ich helfen soll.

Wenn es etwas für mich zu tun gibt, verabrede ich einen weiteren Termin und bereite mich mit einer Reise darauf vor. In allen Fällen bekomme ich Fragen, die noch zu klären sind und die das Bild weiter vervollständigen. Das Gespräch über die Symptome und deren Entstehung lockert die Gefühle und führt zu den vermeintlichen Ursachen. Der Zusammenhang ist nicht leicht zu finden, denn die Probleme, Ängste und Nöte haben eine solide Mauer um das Ego gebaut. Die abwehrende Struktur ist in vielen Diskussionen erprobt und hat sich als Schutz bewährt. Die Ratio passt auf die Gefühle auf und hindert sie an der Entfaltung. Diese menschliche Ordnung ist gesellschaftlich sanktioniert und wird unterstützt. Innerhalb der Struktur verspricht die Ratio eine Sicherheit, denn das ist die Konditionierung seit der frühen Kindheit. Die Ratio formt die Worte und gibt sie so frei, dass möglichst wenig preisgegeben wird und die Mauer um das Ego stabil bleibt.

Der Aufpasser ist die Ratio. Welche Worte verwendet der Aufpasser um die Gefühle zu unterdrücken? Der Aufpasser ist eine Manifestation der Ratio, die mit plausiblen Erklärungen die Krankheit bewacht. Wo steckt der Bewacher in der Welt des Brauchenden? Diese Suche ist eine Fortsetzung der Diagnose in die schamanische Arbeit.

Um den Aufpasser zu umgehen, erzählt der/die Brauchende seine Geschichte ohne Worte, mit den Händen, den Augen, dem Körper. Er/Sie erzählt die Geschichte ohne Worte über meinen Körper in die unendliche Welt der Spirits. Weil sie in der unendlichen Welt ankommen soll, wird sie nur mit den unendlichen Gefühlen erzählt. Sie wird ohne Worte kommuniziert und kann auch Berührung verwenden. Die Aufnahme und Weitergabe der Geschichte ohne Worte bricht den Widerstand der Ratio, da nun ohnehin alles bekannt ist. Die Gespräche werden jetzt offener.

Hilfe zur Diagnose finde ich in der Vergangenheit des/der Brauchenden. Gibt es Informationen zur Mutter, zur Geburt, zum Säuglingsalter, zur Kindheit? Lebensbedrohliche Symptome haben sich früh eingenistet. Die schamanische Arbeit geht auf gemeinsamen Reisen in diese Stadien zurück und führt die Brauchende um die traumatischen Punkte herum in eine gesunde Zone.

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[1] Der Begriff der Krankheit ist sehr ungenau und meint oft die Funktionsunfähigkeit etwas zu erreichen oder zu tun. Siehe dazu den Text zu "Strukturen und Auflösung".