Der Baum und das Leben

Es gibt nur eine Natur und das ist die ganze Natur. Wir erleben die ganze Natur an uns, an jedem anderen Wesen, an den Pflanzen, an jeder Ameise, jeder Wolke und jedem Wassertropfen. In diesem Netz der Verbindungen von Allem finden wir immer ähnliche Entwicklungen und Strukturen. Nehmen wir zum Beispiel den Baum.

Die Liebe verbindet den Baum und den Menschen mit seiner Welt und hält alles zusammen. Sie fügt die neue Lebensschicht der Struktur hinzu. Alles liebevoll Erlebte wandelt sich in Schönheit.

Mit schlechten Gefühlen Erlebtes wandelt sich in ungesunde Struktur, in schlechte Erinnerungen, in Traumata, in Krankheit. Ungesunde Strukturen reagieren nicht auf Änderungen der Rahmenbedingungen, Ereignisse oder neue Orientierungspunkte. Eine blockierende Struktur schneidet uns von der Stärke der Natur, von ihren Kräften und der Heilung ab. Sie kann im Verstand, in der Erziehung, in der Kultur, in Lebensumständen entstehen oder von anderen negativen Gefühlen oder traumatischen Erlebnissen beeinflusst werden.

Beim Menschen werden Strukturen mit Regeln geschaffen. Regeln, Grenzen und Tabus denkt der Mensch sich aus. Die Regeln sind deshalb nur so gut, wie die Motivation hinter dem Regelwerk. Die Regeln werden zu Rahmenbedingungen nicht bei der Aufstellung, sondern indem sie akzeptiert werden. Das Gefühl stößt an die Regeln des Verstandes, die Seele leidet in den Gefängnismauern der Ratio. Hält der Mensch die Regeln ein, funktioniert er wie eine Maschine.

Der Verstand arbeitet gegen die Seele, er produziert Unsicherheit und Angst. Es fehlt das Vertrauen in die Natur, die uns jeden Tag neue Möglichkeiten gibt, die uns behütet und die Ressourcen bereitstellt, die wir mit Liebe in Schönheit und Frieden und ein gesundes Leben verwandeln können. Der Verstand versucht die Rahmenbedingungen so aufzustellen, dass der Mensch eine Funktion erfüllen kann. Arbeitet der Mensch gegen die Natur, dann blockiert er ihre Kraft.

Die blockierende Struktur verhärtet wie ein knorriger Ast, wird überwachsen, bildet rissige Rinde, Narben, Verwachsungen, Einschlüsse oder Knorpel. Die Seele bringt sich in Sicherheit.

Der Baum hat keine Garantie, dass er hoch wächst, lange dort steht, viele Zweige hat oder immer grün ist. Der Körper des Menschen hat keine Garantie, dass er lange lebt, irgendeinem Ideal entspricht oder einen Zweck hat. Das Orano kann schnell kommen, wenn alle Ressourcen erschöpft sind, denn die Bestimmung des Körpers ist immer erfüllt - seine verbleibende Masse ist der Humus für das neue Leben.

Ast BaumEine Krankheit ist eine kreative Lösung für eine Unverträglichkeit der bestehenden Form mit den Rahmenbedingungen, in denen das Lebewesen nicht mehr reagieren kann ohne die strukturierten Teile aufzulösen. Der kranke Zweig fällt ab. Der Bereich der Krankheit ist innerhalb der gewohnten Muster nicht erklärlich. Er ist eine vorzeitige Aufgabe des Körpers, der die Seele aus einer zu engen Gefangenschaft in Struktur und Mauern befreit.

Die Seele setzt Teile oder den ganzen Körper außer Funktion. Sie schreit durch diese Funktionslosigkeit, den Schmerz oder die emotionale Qual.

Sie fordert eine Auflösung des Unglücks, eine neue kreative emotionale Landschaft, neue Möglichkeiten, neue Potenziale in denen das Glück der Seele sich entfalten kann.

Eine Krankheit ist so eine kreative Lösung, die als Störung der Struktur interpretiert wird, weil der Mensch teilweise nicht mehr funktioniert. Es ist ein Missverständnis der technischen Verstandeskultur, dass der Mensch funktionieren soll.

Die Seele ist nicht daran interessiert, dass der Mensch funktioniert. Sie ist nur  daran interessiert, dass der Mensch er selbst ist. Jeder Mensch und jedes Wesen, das sich selbst liebt, ist schön. In der Mitte seiner Welt wächst es mit der Liebe in seiner neuen Spirale der Gesundheit.

Heilung ist die Anwesenheit von Gesundheit. Die ungesunde Struktur, die traumatischen Erinnerungen sind aufgelöst, die Seele ist befreit und entfaltet sich. Es gibt keine Symptome, nichts mehr zu unterdrücken. Im Land der Gesundheit sind die Erinnerungen schön und friedlich. Es gibt keine knorrige Vergangenheit, wenn die Erinnerungen in der Liebe aufgelöst sind.

Die Liebe zieht den unendlichen Strom der Möglichkeiten aus dem Soolago an. Sie verbindet die Möglichkeiten zu einer neuen gesunden Schicht und passt sie den individuellen Bedürfnissen an. Sie öffnet das Gefängnis der Erinnerungen. Die Seele bekommt was sie braucht.

In der Heilung findet sich die Seele wieder ein, sie beseelt den Körper. Die schamanische Arbeit hilft die Seele zu finden und den Körper zu reinigen und der Seele eine schöne Welt zu bereiten. Eine mit Liebe erlebte Welt ist schön. Das Vertrauen in die Liebe der Natur führt in das Land der Gesundheit.

Der Baum vertraut darauf, dass die Natur ihn versorgt. Das Blatt weiß nicht, wie die Nährstoffe zu ihm kommen. Der Zweig weiß nicht, wie die Kraft zu den Blättern transportiert wird. Der Stamm weiß nicht, wohin er seinen Saft schickt. Es gibt keinen Plan zu verstehen, es gibt keine Logik in der Abfolge, es gibt keine Angst. Es gibt nur Synergie und Vertrauen. Das Blatt braucht den Stamm wie der lebende Stamm die Blätter braucht.

Ein gesunder Mensch ist wie ein gesunder Baum. Er ist einfach nur da und hat die Kraft, sich an die Rahmenbedingungen anzupassen.

[Der vollständige Text ist im Anhang als "Der Baum und das Leben" und kann heruntergeladen werden.]

 

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